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Fiddler’s Green – Devil’s Dozen – CD-Rezension

Auch in ihrem 26. Bandjahr machen die Erlanger noch immer Musik und zeigen mit ihrem neuen Album zum 13. Mal (die EP von 1996 nicht mitgerechnet), dass der Folk wahrhaftig nicht tot ist. Die Rede ist natürlich von Fiddler’s Green, die am 28. Oktober via Deaf Shepherd Recordings ihren neuen Silberling Devil’s Dozen released haben. Das Cover zeigt einen roten Ziegenkopf mit einer 13 auf der Stirn. Der Titel und das Artwork passen perfekt zum 13. Langspieler, aber wirklich böse waren Fiddler’s Green ja noch nie. Das Cover verspricht daher auch den feinsten irischen Speed-Folk und genau das ist es, was sich hinter der Platte auch verbirgt. Lest nun hier, was die Scheibe zu bieten hat.

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Fiddler’s Green auf der Eisheiligen Nacht 2015

Das Album beginnt mit dem Titelsong „Devil’s Dozen“, das aus eigener Feder stammt und den Hörer mit gewohnt rasanten Klängen begrüßt. Es klingt durch den schnellen Rhythmus und dem mehrstimmigem Gesang im Refrain beinahe wie einer Hymne. Der nächste Track „Bottoms up“ wird zwar erneut teilweise durch schnellere Geigenklänge begleitet, ist aber insgesamt musikalisch sanfter angelegt. Dafür klingt der wiederholte mehrstimmige Refrain wie ein Aufruf zum Kampf, der natürlich zum Titel passt. Die Botschaft heißt, sich zu erheben und das Richtige zu tun, statt faul herumzusitzen und sich alles nur mit anzusehen.
„Down“ beginnt dann ähnlich wie der ältere Song „Take me Back“ mit belebenden Banjo-Akkorden. Als der Gesang dann einsetzt, schlägt der Speedfolk allerdings wieder voll durch und schon durch die begleitende Geige kann man die Songs voneinander unterscheiden. Gesanglich zeichnet sich „Down“ durch die Mehrsprachigkeit aus und dass Albi und Pat sich die Strophen praktisch teilen. Sprachen, die sich definitiv raushören lassen sind Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Teilweise wechselt die Sprache während einer Zeile im Text – ein tolles Stilmittel, das den Song aufleben lässt, obwohl sich die Strophen doch eigentlich nur zu wiederholen scheinen.

Auf drei eher schnelle Songs folgt dann die erste Ballade des Albums. „Boat on the River“ ist ab der ersten Sekunde ein Track, der einen nachdenklich und auch ein wenig traurig stimmt. Der Song stammt ursprünglich von der amerikanischen Rockband Styx aus dem Jahr 1980, wurde aber seitdem von vielen Bands gecovert. Die Fiddler’s-Version kommt dem Original recht nah und erscheint ein würdiges Cover des alten Liedes zu sein. Traurigkeit lässt die Band aber damit nur kurz aufkommen, denn schon der nächste Song „Perfect Gang“ schlägt eine ganz andere Richtung ein. Musikalisch ist dieser Song eher in der rockigeren Ecke einzuordnen, der in Interludien aber dank Geigenspiel folkig aufgelockert wird. Der Track feiert auch gesanglich wieder mehrstimmig die Freundschaft.
Gleich darauf folgt ein erneutes Cover, denn „Leaving of Liverpool“ wurde von den Dubliners 1965 veröffentlicht. Fiddler’s Green sind dafür bekannt, dass sie neben eigenen Kompositionen auch Cover älterer Songs und sogenannte Traditionals spielen. Sie wollen dabei aber nicht etwa ihren Vorbildern nacheifern, sondern ihr Songmaterial schlichtweg ehren. Dies ist ihnen bis jetzt auch stets gelungen, so auch bei diesem Track.

„Johnny“ ist dann zwar ein eher nichtssagender Titel, doch der besagte Johnny wird zum Protagonisten seines eigenen Songs. Musikalisch und textlich wirkt auch dieser Song wieder wie eine Hymne oder ein Aufruf für die Hauptfigur, sich zu erheben. Eine Ode oder ein Apell an Johnny, sich selbst treu zu bleiben. „Bad Boys“ hingegen erscheint dann wieder sehr rockig, bis typische Speedfolk-Elemente einfließen. Dennoch bleibt der Song musikalisch eher ruhig und zeichnet sich durch bestimmten, härteren Gesang aus. Ganz im Gegensatz dazu steht der Song „Blame it on me“, der sanft beginnt, aber keinesfalls eine Ballade ist. Musikalisch lädt der Titel zum schunkeln ein, doch die Botschaft des Textes ist eine andere. Man möge doch bitte die Schuld nicht bei anderen suchen, sondern lernen mit seinem eigenen Leben klar zu kommen.
Abwechslungsreich geht es mit „All the Way“ weiter, womit der Hörer in die Welt eines Träumers entführt wird, der auf Höhenflug scheint und dann sein Leben aber ändern muss oder will. Wer seinen Träumen weiter folgen möchte, der muss den ganzen Weg gehen, mit allen Bergen und Tälern. Musikalisch lädt der Song dazu ein, sich in der sanften Musik der Strophe zu wiegen und im Refrain alle Ketten abzuschütteln.

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Fiddler’s Green auf Akustik-Tour 2016

Mit „Mr. Tickle“ neigt sich das Album bereits dem Ende zu. Mit einer eingängigen Melodie aus Geige und Akkordeon wird auch hier das Tanzbein geweckt, obwohl der Rhythmus eher zum hüpfen einlädt. Der Song richtet sich an all die, die in einer wundervollen Welt nur das Schlechte sehen und daher auch Schlechtes hervorrufen. Die Fiddler’s versuchen negative Einflüsse einfach fortzuspielen, was ihnen mit dem fröhlichen „Here we go again“ auch gelingt. Schnelle Geigenklänge verleiten zum fröhlichen Tanzen und der Text ruft dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern sich einer guten Bewegung anzuschließen. Der letzte Song trägt schließlich den Titel „We don’t die tonight“ und repräsentiert wunderbar das Motto, das sich durch das gesamte Album zieht. Wenn man sich nicht unterkriegen lässt und seinen Weg unbeirrt weiter geht, sich an die Guten hält und auf Freundschaft baut, dann wird man niemals untergehen!

Fazit: Insgesamt spiegelt das Album die Geschichte von Fiddler’s Green wider. Eine Band, die seit 26 Jahren auf den Bühnen dieser Welt zu finden ist, alte Songs und Traditionals wieder aufleben lässt, damit diese nicht in Vergessenheit geraten und ihre Fans mit sanften und harten Klängen zu begeistern weiß. All das steckt in „Devil’s Dozen“ und doch erwecken die Songs besonders durch den häufig genutzten mehrstimmigen Gesang eine Aufbruchstimmung. Ein Gefühl, dass sagt: hier und heute ist noch nicht Schluss! Wir haben Elan und den Willen für immer zu existieren, selbst wenn der Teufel persönlich an die Tür klopft.
Musikalisch wird dieses Gefühl durch die fröhlichen Speedfolk-Klänge getragen, die durchaus auch ruhiger sein können, wenn das Thema dies verlangt. Daher bleibt einem hier nur zu sagen, dass nach so vielen Konzerten, Alben und Erlebnissen das 13. Album von Fiddler’s Green geradezu eine herrliche Erfrischung im tristen Musik-Alltag bietet. In Zeiten, in denen viele Musiker Songs veröffentlichen, die nicht mehr von Herzen sondern von irgendeinem Songwriter kommen, wird es Zeit, dass sich die Musikliebhaber dieser Welt aufstellen und dagegen protestieren. Musik soll von Herzen kommen und das spürt man in diesem Album in jeder Sekunde.

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