Erst vor knappen drei Monaten entfesselten die Erlangener Speedfolker Fiddler’s Green ihr neues Manifest „Devil’s Dozen“ (-> hier geht es zur Rezension)– seit Anfang Dezember zieht es die Combo auch schon wieder auf die Live-Bühnen Deutschlands. Nachdem über die Festtage des Jahresendes 2016 ein bisschen Energie getankt wurde, ging es für die Mainfelt-16Fiddler’s ab dem 07. Januar mit der zweiten Tourhälfte direkt ohne Kompromisse weiter. Der Ruhrgebiets-Pflichttermin führte die Band diesmal an einem Freitag den 13. in die Turbinenhalle Oberhausen. Für uns das erste Konzert 2016 – und direkt ein erstes Jahres-Highlight! Erfahrt hier mehr:

Wer bereits vor einem Jahr bei der letzten Akustik-Tour der Jungs dabei war, für den war der Support, den sich unsere Springinsfelde hier ins Boot geholt hatten, kein unbeschriebenes Blatt: Mainfelt aus den Südtiroler Alpen präsentierten damals ihre aktuelle EP „Midsummer“, hatten jetzt aber ein weit größeres Song-Repertoire dabei, erscheint doch im Februar ihre neue Platte „Backwards Around the Sun“. Beim April-Gig in der RuhrCongresshalle Bochum (Bericht hier ->) beeindruckten die Jungs mit mal sehr melancholischer Note und mal einem rasanteren Heißsporn – auch in der Nicht-So-Ganz-Akustik-Variante gab es hier einen tollen Auftakt. Um Punkt 8 Uhr standen die vier Herren auf der Bühne und begeisterten mit ihrem Gute-Laune-Folk von der ersten Sekunde an: Gerade Stücke wie „All My Ghosts“ mit sanftem Country-Touch oder das sehr emotionale „One Last Time“ gefielen dem Saal besonders – das Set, welches sich in seiner Intensität immer mehr steigerte und zunächst sehr zurückhaltend ruhig begann, wurde danach immer ungestümer und schneller. Ein perfektes Intro also für den Hauptact des Abends – und trotzdem kamen Mainfelt noch den vielen Zugaberufen nach, die es zu Recht für ihre Performance gab, ehe man die Bühne räumte.

Gegen 9 Uhr verdunkelte sich die Halle und es ertönte das traditionelle „Leaving of Liverpool“, mit dem man den schweißtreibenden Abend einleitete, als die Fiddler’s endlich die Stage betraten. Viele Stücke der neuen Platte fanden selbstredend Platz in der diesmaligen Setliste – und so ging es mit dem verheißungsvollen Hinweis auf ebendiese mit den Worten „Zieht die Mädels hinab in die Unterwelt“ mit dem filigranen „Down“-Stakkato weiter, ehe Albi, Pat und Tobi ihre Hörerschaft willkommen hießen. Über die gesamten knapp anderthalb Stunden Konzertdauer präsentierten sich die Jungs von ihrer besten Seite und demonstrierten, wofür Fiddler’s Green im immerhin 27. Bandjahr stehen und was sie nach wie vor ausmacht: Es folgten Klassiker wie „Mrs McGrath“, „Victor and His Demons“, „Life Full Of Pain“ oder „Yindy“, und natürlich fehlte auch „The Night Pat Murphy Died“ nicht im Programm – in Kombi mit den vielen neuen Stücken wie „Bottoms Up“, der „Mr. Tickle“-Kinderhorror-Traumabewältigung und dem grandiosen Styx-Cover von „Boat On The River“ ein perfekter Abend. Zu letzterem sollten alle im Saal ihre Feuerzeuge hervorholen – und dieser Bitte kam man gerne nach, auch, als Frontmann Albi betonte, dass jetzt mal eben „keiner Bier holen und keiner Pissen gehen“ sollte. Wer sich Fiddler's Green-8während des Konzerts nicht ordentlich verausgabte, durfte spätestens mit der Zugabe am Ende seiner Kräfte angelangt sein, schließlich bewahrte sich die Band die „Rocky Road To Dublin“-, „The More The Merrier“- und „A Bottle A Day“-Ekstase fürs Finale auf.

Fazit: Ein auslaugender und ausgelassener Konzertauftakt für das Jahr 2017, den Fiddler’s Green hier, seit Jahren auf dem Zenit ihrer Power, lieferten. Die neuen Stücken kamen gut bei den Fans an, was ja auch kaum verwunderlich war, man feierte eine ordentliche Party und freut sich schon jetzt darauf, die Herrschaften auch auf dem einen oder anderen Festival im Sommer sehen zu können. Noch völlig aufgeheizt entließ die Band ihre Fans in die eiskalte Nacht, für die eigentlich Schnee angesagt war. Möglicherweise war es in der Turbinenhalle aber so heiß (denn in Halle 1 spielte zusätzlich noch Hammerfall), dass der Schnee sich nicht nach Oberhausen getraut hatte!