Feuertal Festival 2017, Tag 2 – Waldbühne Hardt Wuppertal – Bericht

Der zweite Tag des diesjährigen Feuertal Festivals begann sogar noch wärmer als der Tag zuvor. Für diesen Festival-Sommer war das fast schon ein Wunder! Bereits zu der frühen Stunde, die 13 Uhr für die vielen Feierwütigen wohl dargestellt haben mag, waren unglaublich viele Menschen munter auf dem Gelände vor der Bühne unterwegs. Bier und Met galten für so manchen, der es von dem außergewöhnlichen Campingplatz in einem alten Freibad bereits per Shuttlebus zum Festival geschafft hatte, als Frühstück.

Vollkommen munter waren hingegen die Fans der Bands, die den zweiten Festival-Tag beginnen sollten. Bereits um 14 Uhr war es erstaunlich voll vor der kleinen Bühne als Stoneman pünktlich wie die Maurer mit ihrer Show begannen. Stilistisch passten sie wohl so ins Set wie am Vortag Lord of the Lost Ignis Fatuu-11vollkommen aus dem Rahmen gefallen waren, aber ihre treuen Fans ließen sich davon nicht beirren.
Etwas verrückt und auch vollkommen abgedreht, ging es dann gleich weiter mit Ignis Fatuu, die Eric Fish mit einer verwirrenden Rede über Irrlichter und Latein ankündigte. Mit ihrem aktuellen Album „Meisterstich“ (-> hier geht es zu unserer Rezension) und einigen Anekdoten über Albrecht Dürer zogen sie Menschen in ihren Bann, verwunderten sie und überraschten wohl tatsächlich den ein oder anderen. Dürer ist wahrlich nicht für jeden etwas, aber Ignis Fatuu haben es mit ihrer Vertonung geschafft, die Herzen der Dürer-Fans höher schlagen zu lassen. Eine musikalische Leistung, die man ruhig mal anerkennen darf, dem feierwütigen Festival-Publikum so manches mal aber vielleicht doch etwas ‚too much‘ war. Wer Dürers Werke nicht kennt, wird auch Schwierigkeiten haben, die Genialität der Songs zu würdigen und so verwundert es wenig, dass eher die älteren Songs wie „Spiel des Lebens“ gefeiert wurden. An die ’neue‘ Stimme am Mikrophon konnte man sich in den letzten Jahren bereits gewöhnen und so wirken die alten Tracks mit neuer Stimme mittlerweile fast schon ausgereift.

Nach den beiden ersten Bands, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, folgte eine kleine Umbaupause, doch blieb man an diesem Tag tatsächlich beinahe penibel genau im Zeitplan. Am zweiten Tag fehlte keine Band und Zeit für Zugaben gab es leider nicht. Dafür hatten sich Mr. Hurley & die Pulveraffen dann aber etwas ganz spezielles für das Feuertal ausgedacht. Bereits beim Einlass bekam jeder, der wollte, einen faltbaren Piratenhut in die Hand gedrückt – für den geplanten Videodreh. Die Pulveraffen hatten eigens für das Feuertal eine Crew angeheuert, die ein ganz besonderes Vorhaben umsetzten sollten. Der gesamte Auftritt sollte live in die ferne Welt gestreamt werden. Mit anderen Worten: die Pulveraffen und das gesamte Feuertal mit den tollen Piratenhüten war live im Internet! Jedenfalls für ein paar Minuten. Nach nicht mal zehn Minuten brach der Stream zusammen. Das Internet ist für eine so große Muschelschubser-Meute wohl einfach noch nicht bereit.Mr. Hurley & die Pulveraffen-4
Die Fans auf dem Festival waren dafür um so bereiter und gröhlten jede bekannte Zeile mit. Erst einen Tag zuvor war das neue Album „Tortuga“ erschienen, doch trotzdem zeigten sich einige Piraten in der Menge äußerst textsicher. Mr. Hurley ließ es sich aber auch nicht nehmen, einige Anekdoten zum neuen Silberling preis zu geben und sorgte damit für einige Lacher im Publikum. Die neuen Songs sind an piratiger und humoristischer Genialität aber auch schwer zu überbieten. Mehr dazu lest ihr hier in einigen Tagen in unserer Rezension! An diese Stelle sei also nicht all zu viel verraten.
Ein erstes Highlight gab es, als Thomas Lindner auf der piratigen Bühne erschien und die Band stimmlich bei „Achtung fertig Prost“ unterstützte. Er war dafür natürlich zuvor etwas umgestylt worden und zeigte sich in voller Pracht mit schmutzigem und blutverschmiertem Gesicht und schwarzen Zähnen. So fiel er zwischen den Pulveraffen wirklich kaum auf!

Nachdem die Piraten von der Waldbühne verschwunden waren, verschwanden auch die Piratenhüte im Publikum ganz schnell. Zu Mono Inc., die daraufhin die Bühne enterten, hätten sie aber durchaus auch gepasst. Zumindest ziert immerhin ein großes Segelschiff das Cover des aktuellen Albums „Together Till The End„, aus dem selbstverständlich einige Songs zum Besten gegeben wurden. Mit einem lauten Knall begann Martin Engler und seine Band ihr Set. Sie waren auf diesem Feuertal tatsächlich die einzigen, die echtes Feuer mitgebracht hatten, um ihre Show noch heißer zu gestalten. Ein zweites Highlight des Festivals boten sie dann aber nicht mit ihren Pyroeffekten, sondern mit dem Opernsänger Major Voice, der zunächst ein Stück nur mit Manuel und Carl gemeinsam performte. Seine mächtige Bass-Stimme hallte durch den Steinbruch und jagte einem eine Gänsehaut nach der anderen über die Arme. Im Anschluss daran gab es gemeinsame rockige Stücke mit der gesamten Band. Das war wirklich mal etwas ganz Anderes!

Nach den ganzen Verrücktheiten und Highlights hatte man kaum bemerkt, wie fortgeschritten die Zeit bereits war. Bier und Met war in Strömen geflossen, die Stimmung war ausgelassen und ob der Wärme erfreuten sich einige Besucher nicht an den heißen Speisen, sondern lieber an dem kalten Eis. Die Mono Inc.-21bunten Streusel waren aber auch einfach zu verlockend!
Nach der kurzen Freude über buntes Softeis, kam der wohl emotionalste Moment der gesamten Festival-Saison. Schandmaul spielten als Headliner des Tages auf und so sehr man sich auch darauf freute, desto bewusster wurde man sich, dass es bald vorbei sein würde. Nicht nur das Festival neigte sich dem Ende, sondern auch Anna Katharinas Zeit bei der Band. Nach nun 19 Jahren hat sie sich entschlossen, Schandmaul zu verlassen und an anderen Projekten zu arbeiten. Sie ist natürlich nicht aus der Welt, aber dass dieses Konzert in Wuppertal das letzte mit ihr an Drehleier und Geige sein sollte, wirkte mit dem Erklingen der ersten Note unglaublich unwirklich.

Schandmaul harmonierte und lachte auf der Bühne wie eh und je und die gute Stimmung sprang gleich beim ersten Song auf das Publikum über. An Abschied war hier keineswegs zu denken. Dennoch hatten einige Fans sich bei dem Flammkuchen-Stand ein Brettchen besorgt und es durch die Menge gereicht. Dort hatte jeder für Anna Katharina unterschreiben können. Im Angesicht der Feierlaune ist es geradezu erstaunlich, dass dies so gut funktioniert hatte, dass am Ende kein Zentimeter mehr auf dem Brett frei war. Mit Songs wie „Herren der Winde“ und „Walpurgisnacht“ holten die Schandmäuler alles aus ihren Fans, die begeistert sangen und tanzten als gäbe es kein Morgen mehr. Auch ein Texthänger von Thomas konnte der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Bei „Euch zum Geleit“ kam es dann vereinzelt im Publikum zu den ersten Tränen, doch erst als sich das Set dem Ende neigte, wurde die Stimmung auf der Hardt so richtig emotional. Schandmaul gaben eine Zugabe, bei der sie Anna auch für die schöne Zeit dankten. Diese war von den Worten und von dem tosenden Applaus der Fans so gerührt, dass sie in Tränen ausbrach und den letzten Song kaum mitsingen und spielen konnte. Völlig ergriffen war auch das Publikum und die Emotionen waren geradezu greifbar.

Als die letzte Note verklungen war, wollte sich Eric Fish bei Schandmaul und den Fans bedanken, platzte aber völlig unpassend und viel zu früh auf die Bühne und machte damit einige Fans wütend, die den letzten Moment mit Schandmaul in Gründer-Besetzung nochmal genießen wollten. Das hätte wirklich nicht sein müssen!
Fish entschuldigte sich aber und als die Schandmäuler sich zurückgezogen hatten, um gemeinsam mit ihren treuen Fans noch zu reden, Autogramme zu schreiben und Fotos zu machen, verkündete der Subway to Sally-Frontmann, dass er im nächsten Jahr wieder auf dem Feuertal sein werde. 2018 feiert das Festival 15-jähriges Jubiläum und man darf gespannt sein, was sich der Veranstalter dafür einfallen lassen wird. Eric Fish wird jedenfalls nicht als Moderator und auch nicht mit seinen beiden bekannten musikalischen Projekten vor Ort sein. Wie und warum er dann anwesend sein wird, bleibt vorerst ein Geheimnis.
Wir bedanken uns an dieser Stelle aber herzlichst bei allen Bands für lustige, verrückte und emotionale Momente und bedanken uns auch bei Marcus Grebe für ein unvergessliches 14. Feuertal Festival! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.