Feuerschwanz-18

Feuerschwanz – 29.04.2017 – LCB Wuppertal – Bericht

Schon im Herbst des vergangenen Jahres brachten die frivolen Erlanger Spaß-Mediävisten Feuerschwanz ihr aktuelles Album Sex is Muss (-> hier geht es zu unserer Rezension) auf die Bühnen Deutschlands – und nach kurzer Tournee kündigte man schnell an, auch im Frühjahr 2017 besagte Tour um weitere Daten zu verlängern. Sie ringen mit bittersüßer Satire, kokettieren mit Lobeshymnen auf die körperlichen Freuden und den Alkohol und tischen beißenden Zynismus, das alles gepaart mit zünftigem Mittelalter-Rock. Zeuge dessen durften vergangenen Samstag, 29. April, auch die Besucher des Live Club Barmen in Wuppertal werden, und das pünktlich zur Walpurgisnacht am Folgetag.

Während es in der ersten Tourhälfte Unterstützung in Form der einheizenden Vogelfrey gab, standen diesmal die Bad Oeynhausener Harpyie auf der Stage, bevor es mit dem Haupt-Act weiterging. Immer professioneller geben sich die Musiker um Frontmann Aello, welche passend zu ihrem neuen Album „Anima“ und der ersten Single-Auskopplung „Berserker“ mit barbarischem Auftreten, Kriegsbemalung und Fell-Kleidung in den Abend starteten, nachdem man zur „Freakshow“ begrüßte. Durfte man die anfänglichen Stücke des ersten Albums noch etwas ob ihrer weniger hochwertigen, lyrischen Texte belächeln, mauserten sich die Jungs und die Dame an der Geige aus Ostwestfalen mittlerweile zu einer festen Harpyie-17Größe der deutschen Mittelalter-Szene – das belegen auch Auftritte auf vielen großen Festivals, sowie Touren mit u.a. Nachtgeschrei oder Corvus Corax. Schade, dass Madame Io an der Drehleier lediglich auf den Konzerten 2016 mit im Ensemble war und nun die Band aber wieder ohne Live-Unterstützung als „animalischer Fünfer“ agiert, samt neuem Bassisten Jean, der ebenso im letzten Jahr zur Band dazukam. Mit einigen weiteren neuen Songs begeisterten Harpyie auch das Wuppertaler Publikum – und so war die Enttäuschung groß, dass der Auftritt so extrem kurz ausfiel, dass man gerade richtig in Fahrt gekommen war, als bereits der letzte Song angestimmt wurde. Gut, dass Harpyie ihre angekündigte kreative Pause aufs Minimum reduziert haben – „Anima“ schlägt nämlich ein wie eine Bombe. Passend zum Tourabschluss gesellten sich dann zum Ende hin auch einige Musiker von Feuerschwanz auf die Bühne und unterstützten die letzten Songs mit Dudelsack, Alkohol und Spaß.

Feuerschwanz knüpften im Folgenden an der guten Stimmung an und legten die Messlatte mit dem Titelsong des jüngsten Albums und dem ausgelassenen „Moralisch (höchst verwerflich)“ ziemlich hoch. Dass die Mädels und Jungs sich mal wieder von bester Seite präsentierten, muss hier gar nicht erwähnt werden: Eine Wahnsinns-Spielfreude traf auf gute Stimmung, Party-Atmosphäre und eine schweißtreibende Song-Auswahl, welche den LCB zum Beben brachte. Die Platte „Sex is Muss“ ist dabei als konterkarierende Antwort auf Sexismus-Vorwürfe an die Band zu verstehen, welche von dem AStA der Universität Osnabrück vor zwei Jahren angebracht wurden. Doch da hat augenscheinlich jemand den Humor der etablierten Band um u.a. den Hauptmann, Prinz Hodenherz und Johanna von der Vögelweide nicht verstanden.

Während die Bühnen-Mieze wieder zu Songs wie „Blöde Frage, Saufgelage“ oder „Metnotstand im Feuerschwanz-5Märchenland“ ihre Schilder mit den Mitsing-Parolen hochhielt und die Band ihre Klassiker wie „Wir lieben Dudelsack“ oder „Wunsch ist Wunsch“ präsentierte, kochte die Stimmung im Saal über und nicht wenige gaben sich einigen Pogo-Schlachten oder Circle Pits hin, welche für ein paar mehr oder minder schlimmen Verletzungen sorgten. Da Drummer Lanzeflott an diesem Tag sogar Geburtstag hatte, hatte er sich einen kleinen Circle Pit zu „Ringelpietz“ gewünscht, der sich danach schnell verselbstständigte. Einige chaotische Geburtstagsständchen bekam Lanze aber auch.
Nach den beinahe obligatorischen Zugaben „Metvernichter“ und „Zuckerbrot und Peitsche“ ging es mit dem Fan-Dankeschön „Das niemals endende Gelage“ langsam aufs Grand Finale des Gigs zu, bei dem man noch einmal mit Bier, Metbecher oder Schnapspinnchen schunkeln konnte. Das nun wirklich letzte Lied nach dem letzten Song war dann das eher romantisch angehauchte „Ruderboot“. Zum Schunkeln hatten sich dann auch Harpyie wieder auf die Bühne verirrt und gemeinsam luden beide Bands noch zur ausgelassenen Aftershowparty im LCB ein.

Fazit: Erneut stellten Feuerschwanz unter Beweis, dass sie exzellente Stimmungsmacher und Partyhengste (& -stuten, selbstverständlich) sind. Immer noch feiern die Fans ihr mit Lob überschüttetes 2016er Album und auch Harpyie präsentierten sich nicht bloß solide, sondern gereifter, interessanter und mit ihrem neuen Material auch wilder als bisher. Ein geiler Abend im Bergischen Land, den beide Bands hier lieferten, konnte nach dem Konzert noch im Club und am Tresen beendet werden. Immer wieder gerne, ihr Gaudiritter!

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