Dass das Festival-Mediaval in Selb mit Superlativen nur so um sich wirft, ist nun ja wirklich keine Neuigkeit mehr. Nun, zum zehnjährigen Jubiläum hat man ein Programm geschaffen, das selbst den eigenen Rahmen sprengte. Also sorgte man einfach für ein größeres, angemesseneres Ausmaß, indem man die Veranstaltung auf vier Tage ausdehnte. Das heißt, dass auch das Vorprogramm verlegt wurde und somit diesmal bereits am Mittwochabend stattfand. Das fast schon traditionelle Akustikkonzert in der Selber Christuskirche bespielten dieses Mal VocaMe. Vier professionelle Sängerinnen scharte Michael Popp um sich, alle keine Unbekannten auf dem Festival, um Alte Musik neu zu interpretieren.

Am ersten Festivaltag, Donnerstag, den 7. September, wurde zuallererst die Eröffnung ausgiebig zelebriert. Begonnen wurde um 16 Uhr mit einem großen Umzug in der Innenstadt, anschließend gab es ab circa 18 Uhr einige Festreden auf der Hauptbühne, womit das Festival offiziell eröffnet wurde. Dabei musste Veranstalter „Bläcky“ schon die eine oder andere Träne verdrücken, sei es ob der zahlreichen Geschenke oder ob des bereits hohen Besucheransturms zum Beginn.

Gleich im Anschluss dazu fand das erste Konzert auf der Hauptbühne, der Schlossbühne, statt. Nicht das erste Konzert des Festivals, doch das erste auf einer großen Bühne. Alle Auftritte konnten wir aufgrund der Programmdichte selbstverständlich nicht berücksichtigen, also konzentrierten wir uns hauptsächlich auf die Bands und Performances auf den beiden großen Bühnen, der Schloss- und der Burgbühne. Während also Rapalje die Redner auf der Hauptbühne ablösten, fingen gleichzeitig Heiter bis Folkig bzw. The Blackbeers andernorts an zu spielen. Wir verweilten erst einmal bei Rapalje, denn die Niederländer, die schaffen es nicht nur sehr schottisch zu wirken, sondern lieferten auch eine großartige Show vom Start weg, da sagte man zu sich selbst einfach: „Die muss ich sehen, die anderen Bands spielen beide noch weitere Male, aber Rapalje treten nur dieses eine Mal auf dem zehnten Festival-Mediaval auf.“ Ob wir es dann später noch zu den besagten anderen Konzerten schafften, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Weniger keltisch, aber mindestens genauso energiegeladen ging es danach an der unteren Burgbühne bei Feuerschwanz weiter. Die „Gaudiritter“ aus dem Raum Erlangen-Nürnberg haben sich seit ihrem letzten Auftritt auf dem Mediaval 2013 weiterentwickelt. Prinz „Hodi“ Hodenherz hat zumindest einen Teil der Vocals an sich gerissen und insgesamt kann man den Mittelalterrock der Band etwas härter als früher einstufen, doch Spaß und (Selbst-)Ironie kommen nach wie vor nicht zu kurz beim „wilden Haufen“. Weniger lustig war allerdings der krankheitsbedingte Ausfall von Drummer Sir Lanzeflott. Jedoch fand die Band recht spontan Ersatz in Form von Simon Michael (Subway to Sally), der auch ohne vorhergehende Bandprobe am Schlagzeug fungierte.

Corvus Corax bildeten den Konzertabschluss des Tages. Das Urgestein der deutschen Mittelalterszene aus Berlin liebt man oder hasst man. Bekennende Fans oder einfach Feuerschwanz_07 KopieLiebhaber der Pipes-’n‘-Drums-Musik kamen auf jeden Fall auf ihre Kosten, auch wenn sich die „Könige der Spielleute“ musikalisch mittlerweile auch durchaus anderem Instrumentarium widmen. Wie stets bekam man hierbei einzigartige Musikinstrumente nicht nur zu sehen sondern auch zu hören. Dazu kam eine aufwändige Choreografie in Gewändern so schön, die würde man den Spielleuten gar nicht zutrauen. Programmende war dann nach etlichen Zugaben der Kolkraben, also praktisch nach Konzertschluss. Doch wer dann noch motiviert war, konnte sich sicher sein, auf der Campsite noch etliche Feierwillige vorzufinden, um die Nacht gemeinsam zum Tag zu machen.