Kurz nach den Weihnachtsfeiertagen besuchte Nordrhein-Westfalen die Termine zur diesjährigen „Eisheilige Nächte“-Tour von Subway to Sally – während am 2. Weihnachtstag zunächst Bochums Ruhrcongresshalle anvisiert wurde, hatten die Fans am 28. Dezember noch einmal die Möglichkeit ins westfälische Bielefeld zu pilgern, um dort Eric Fish und seiner Band samt ihrer Gäste zu lauschen. Dieses Mal im Aufgebot: Die Mittelalter-Springinsfelde Vroudenspil, die Gothic-Rocker Lord of the Lost um Chris Harms und der Schweizer Folk Metal-Export Eluveitie. Viele Fans haben die Termine als feste Vroudenspil-19Zusatz-Feiertage in ihrem Jahreskalender eingetragen, findet diese Spezial-Konzertreihe doch bereits seit 2009 statt und somit in diesem Jahr zum bereits achten Mal. Im großen Ringlokschuppen öffneten sich um 18 Uhr die Pforten zum Einlass – Vita Nigra war dabei, um euch vom Event zu berichten.

Vroudenspil machten um 19 Uhr den Auftakt mit ihrem ausgelassenen, quirlig-närrischen Mittelalter-Folk Rock und Stücken von ihrem jüngsten Werk „Fauler Zauber“. Der Kurzauftritt der Münchner wurde wie jedes Jahr von Eric Fish höchst selbst eingeleitet und anmoderiert, bevor es mit „Wiedergänger“, „Knochensack“ und „Püppchen“ zum Piraten-Ska überging – erfrischend anders als die übliche Mittelalter-Themen-Verarbeitung unterhielten Vroudenspil ihr Publikum, denen mit Gewissheit nicht alle Stücke der Band bekannt waren. Sänger und Gitarrist Ratz von der Planke begrüßte danach die „gemeinen Westfalen“ zum Gig, rief schon beim vierten Song „12 Pfund“ zu einer gehörigen Wall of Death zu Ehren von Lemmy Kilmister auf, an dessen Tod vor einem Jahr er erinnerte, und bestach mit seinem witzigen Charme und den diversen Flaschen Alkoholika, die während der Songs durch seine Hände glitten. Die siebenköpfige Crew konnte definitiv bereits zu Anfang für Feierlaune sorgen, nicht zuletzt Dank ihrer teils merkwürdig-skurrilen, teils flotten Stücke wie „Vampirat“ oder dem „Plankentango“-Instrumental. Kein Wunder, dass sich später einige Besucher am Merch-Stand der Damen und Herren tummelten, um die eine oder andere CD zu erwerben.

Lord of the Lost präsentierten sich in ihrem düsteren Outfit gegen 20 Uhr und starteten mit „The Love of God“ in ihr Set. Der Song, der bereits zur M’era Luna-Hymne 2016 gekürt wurde, läutete direkt den brachialen Gig ein, der sogaLord of the Lost-7r mehr als auf üblichen LOTL-Gigs den Schwerpunkt auf die Metal-Seite der Hamburger legte. Klar, dass viele Stücke vom jüngsten Album „Empyrean“ gespielt wurden, darunter selbstredend auch die „Full Metal Whore“- oder „Drag Me To Hell“-Exzesse, die doch sehr extrem wirken, wenn man sich Frontmann Harms auch schon einmal bei seinen Akustik-Shows mit dem Streicher-Ensemble angesehen hat. Klassiker der Band wie „Die Tomorrow“ oder „Blood for Blood“ wurden dabei auch etwas härter präsentiert und einer kleinen „Generalüberholung“ unterzogen. Wenig Publikumsinteraktion charaktersierte den Auftritt, gleichzeitig dürften Fans der Band etwas melancholisch auf die Eisheiligen Nächte-Shows zurückblicken, da diese Konzerte bereits ohne Bo Six gespielt werden mussten. Nach der Tour wurde dann schließlich angekündigt, dass Bo nicht mehr zur Band zurückkehren wird und für den die Band sich für das neue Jahr nun Ersatz suchen musste. Während die Roadies der Band immer wieder den umgeworfenen Mikro-Ständer oder durch die Gegend gepfefferte Drumsticks auflesen mussten, gaben Lord of the Lost definitiv viel Schweiß und Herzblut auf der Stage, beeindruckten dabei aber nur diejenigen im Saal, die eingefleischte Hörer sind – die überschwängliche Metal-Einkerbung der Stücke dürfte die Genießer härterer Klänge vielleicht neugieriger gemacht haben, Harms‘ Stimme, die Atmosphäre und die emotionalen Texte ließen sie aber kalt, vor allem bei Glamour-Quatsch wie der Leucht-Gitarre zu „Six Feet Underground“. Mit dem beinahe obligatorischen, selbstironischen Stimmungsmacher „La Bomba“ am Ende punkteten die Jungs aber noch einmal.

Die Schweizer Garde Eluveitie um Christian „Chrigel“ Glanzmann durften im Folgenden aber dem Ringlokschuppen richtig Eluveitie-6mit ihrem zünftigen Folk Metal einheizen. Der Auftritt wurde ich drei Phasen eingeteilt – während es zum Auftakt mit „King“ und „Thousandfold“ im Saal richtig zur Sache ging und diejenigen in einen ekstatischen Rausch versetzten, die sich sonst rasanterem und brachialerem Metal zuwenden, folgte im Anschluss eine ästhetische, beinahe gegensätzlich ruhige Akustikphase. Viele Instrumental-Songs wurden zum Besten gegeben, auch neue Stücke, lüftete der Frontmann doch den Schleier um die jüngsten Pläne fürs Jahr 2017 und das Vorhaben, ein weiteres reines Akustik-Album als Nachfolger zu „Evocation I: The Arcade Dominion“ zu veröffentlichen. Bei der handgemachten Musik, mit der sich wohl einige Besucher besser arrangieren konnten als mit den beinahe Death Metal-lastigen Wucherungen zuvor, bei denen der Gesang fast nur aus Growls besteht, wurden zwar die Phasen zwischen den Stücken etwas länger, da die diversen Instrumente gestimmt werden mussten (Glanzmann hierzu: „So sehr wir unsere Folk-Instrumente lieben… beim Stimmen sind es die größten Schlampen“), dafür stieg auch die Intensität der Songs. Zu „Omnos“, „Call of the Mountains“ und „A Rose For Epona“ beispielsweise holten sich Eluveitie auch Gastsängerin Laura mit an Bord, bevor es in der End-Phase des Auftritts wieder in gewohnter, etwas ungeschlacht-gnadenloser Manier weiterging und noch Klassiker wie „Kingdom Come Undone“ oder „Inis Mona“ präsentiert wurden.

Der Headliner und Gastgeber der Eisheiligen Nächte Subway to Sally empfing seine Hörerschaft zunächst mit einer beeindruckenden Pyroshow zur „Grausame(n) Schwester“ vom letzten Album „Mitgift“. Dem folgend stachen aber nicht bloß wieder weitere der aktuellen Stücke heraus, sondern insbesondere ältere Klassiker, die mal wieder ausgegraben wurden: Keine Neuheit, denn wer Eric Fish, Bodenski und Co. dieses Jahr auf anderen Festivals besucht hat, wird bereits gemerkt haben, dass man sich im Hause StS gerne wieder auf ältere Klänge besinnt, nachdem man sich besonders experimentierfreudig mit dem letzten Album und der „Ekustik“-Tour gab. So gab es direkt danach Klassiker wie „Kleid aus Rosen“, „Henkersbraut“ oder die gänzlich anders klingenden „Unsterblich“ und „Falscher Heiland“ vom kontroversen „Engelskrieger“-Album auf die Ohren. Diesmal war es aber nicht so, dass man die Stücke abgespeckt hätte: Im Gegenteil! Der alte, fast gänzlich Folk-befreite Metal pulste bei vielen Stücken durch die Adern, die man eigentlich mit weniger Härte kennt. Nachdem sich Frau Schmitt an der Geige nach 26 Jahren Spielzeit aus privaten Gründen aus der Band verabschiedet hatte, wurde ihr Platz von Ally Storch übernommen, die man bereits von diversen Akustik-Ensembles anderer Bands kennen sollte – so spielte die Dame bereits an der Seite von der Letzten Instanz, Mono Inc. und ASP, nun ist sie festes Mosaiksteinchen bei Subway to Sally. Die Konzertreihe bot dabei die perfekte Chance zur Kür für die attraktive Geigerin, die bereits die Festivalsaison 2016 gemeinsam mit den Spielleuten verbringen durfte. Obwohl viele Fans um den Abschied Schmitts trauern werden, spielte sich Ally mit bei ihrer Schwindel erregenden Haarlänge beeindruckendem Headbangen und fast schon akrobatischen Tanzeinlagen fix in die Herzen der Fans. Die Band präsentierte Stücke aus ihrer gesamten Historie: So blühten die Eisblumen in in der Nacht, es wurde auf dem Vulkan getanzt und dem inneren Teufel wurde Guten Tag gesagt. Zum Ende der Show kam die Zeit, sich musikalisch bei den Gästen zu bedanken. Als Zugabe gab es dann Subway to Sally-10nochmal ein paar besondere Boni: Der „Veitstanz“ wurde gemeinsam mit Vroudenspiel an den Streichinstrumenten performt, und bei der ersten Strophe vom „Seemannslied“ zeigte Chris Harms von Lord Of The Lost, dass er auch am Cello überzeugen kann, bevor er dann am Mikro die zweite Strophe darbieten durfte. Muss man an dieser Stelle eigentlich noch erwähnen, dass das obligatorische „Julia und die Räuber“ folgte? Manchmal kann man Fish und seinem Ensemble nicht so ganz ablesen, ob sie sich freuen, diese Posse immer wieder aufzuführen, oder ob ihnen der Songs selbst langsam zum Halse heraushängt.

Fazit: Die Winterkälte wurde erfolgreich vor die Tore des Ringlokschuppens verbannt, denn das Publikum feierte ausgelassen und war sichtlich mit dem diesjährigen Programm der Eisheiligen Nacht zufrieden. Trotzdem gab es wohl so manch einen Fan, der bei Lord of the Lost das Weite suchte, da ihm die Kapriolen von Harms und seinen Jungs zu kitschig oder selbstdarstellerisch waren, während viele zartbesaitete Besucher sicherlich allenthalben die Akustik-Phase von Eluveitie genossen haben werden, da ihnen die Growls und Metal-Kaskaden der Schweizer missfielen. Trotzdem war so für jeden im Publikum ein Schmankerl dabei und kein Metal-Jünger durfte behaupten, das diesjährige Line-Up wäre zu soft gewesen, genauso wenig wie die Goths mit Fug und Recht hätten behaupten können, es wäre zu viel Metal-Gekloppe zu hören gewesen, der die andächtige Stimmung angekratzt hätte. Subway to Sallys diesmalige Show war durchsetzt von Klassikern und neuen Stücken, hatte aber kaum irgendwelche Überraschungen in petto und kann daher absolut als solide bezeichnet werden – denn für die angenehme, heitere Stimmung sorgten 2016 definitiv Vroudenspil und Eluveitie in ihren ruhigen Stücken. Schön war aber definitiv einige lange in diesem Klanggewand nicht erlebte Stücke wiederzusehen, und auch, dass StS hier nochmal richtig auf den Putz hauten, ehe es im Frühjahr wieder auf „Ekustik II“-Tour geht. Da freut man sich umso mehr auf 2017 mit Mono Inc., Feuerschwanz und den Säufer-Piraten Mr.Hurley und seine Pulveraffen.