Eisbrecher, seit mittlerweile fast 15 Jahren das Wahrzeichen für eiskalten harten Deutschrock, beglücken ihre Fans immer mal wieder mit neuen musikalischen Sahneschnitten. Das letzte Meisterwerk „Schock“ (-> hier geht es zu unserer Rezension) schoss auf Platz zwei der deutschen Albumcharts und erlangte relativ schnell Goldstatus. Hierfür schrieb die Band einen eigenen Track, den sie auf der letzten Tour an alle Fans kostenlos verteilten und live präsentierten. Nun meldeten sich die fünf Musiker am vergangenen Freitag mit ihrem neuen Album zurück. Vorab veröffentlichten sie bereits ein Musikvideo und sogar der Release der Scheibe verschob sich ungewöhnlicherweise nach vorne. Was „Sturmfahrt“ zu bieten hat, lest ihr nun hier in unserer Rezension.

Der erste Track „Was ist hier los?“ ist den Fans bereits aus dem erwähnten Musikvideo (-> hier könnt ihr es euch ansehen) bekannt. Der Song beginnt mit sanften Gitarren und eher gesprochenem Gesang, doch schnell wiegeln sich die Riffs mit mitreißenden Drums auf. Doch was ist hier eigentlich los? Auf dieser Welt? In diesem Land? Auf diese Fragen wird wohl kaum einer eine Antwort finden, aber die Missstände auf ganz nüchterner Ebene einmal anzuprangern, gelingt Eisbrecher mit diesem Song ausgezeichnet.
Eisbrecher-22Der zweite Song „Besser“ wirkt musikalisch eher wieder wie ein typischer Eisbrecher-Song, der sich von der Masse der härteren Tracks nicht wirklich abhebt. Das heißt aber längst nicht, dass das Lied schlechter wäre, viel mehr reiht er sich musikalisch in die Eisbrecher-Historie ein und geht genau so ins Ohr wie altbekannte Songs. Hier hat man also eher ein Gefühl des Nachhausekommens. Textlich befindet sich „Besser“ wieder auf zwischenmenschlicher Ebene, wobei der Refrain schnell im Ohr hängen bleibt und bereits nach wenigem Hören mitgesungen werden kann.

Der Titeltrack „Sturmfahrt“ beginnt dann schließlich etwas rasanter und musikalisch vielfältiger. Mit ein paar elektronischen Elementen steigert sich der Beginn des Songs, bis Alex‘ Gesang kurze Zeit alleine Steht. Im Anschluss bricht der Refrain dann mit mehrstimmigem Gesang und brutal über einen herein. Passend zum Cover des Albums wird man direkt auf ein schwankendes Schiff katapultiert, das dem Sturm trotzt. Thematisch bleibt man auch mit „In einem Boot“ auf dem Meer. Ging es zuvor noch rau und hart zu, mutet dieser Song sehr poppig, geradezu balladesk an. Der Sturm scheint vorüber, doch die Stille, die daraufhin folgt, verbindet die Menschheit mit einem unsichtbaren Band.
Zurück zur (nicht) funktionierenden Gesellschaft und zu härteren und elektronischen Klängen geht es dann direkt mit „Automat“. Thematisch passt der Track zu „Prototyp“, das 2012 veröffentlicht wurde. Allerdings wird nun hier mal die Perspektive gewechselt. Wurde die perfekte Frau zuvor zusammengesetzt, wird nun die Gegenseite zum Automaten, der alles sein kann, sofern man nur eine passende Münze einwirft.

Im folgenden „Eisbär“ wird in poppig-elektronischem Gewand von dem Traum berichtet, ein Eisbär sein zu wollen. Denn Eisbären lebten ruhig und sicher im Eis und müssten sich um nichts sorgen. Außer vielleicht um Lebensraum, aber dennoch erscheint ein solches Leben sorgloser als das eines Menschen. Bevor der Hörer dann mitten im Sommer dann aber erfriert, geht es mit „Der Wahnsinn“ wieder in härtere Musikgefilde. Eingängige Gitarrenriffs reißen einen aus der eisigen Lethargie, während Alex‘ Gesang einen völlig gefangen nimmt. Ob es nun der alltägliche Wahnsinn oder eine tatsächliche Krankheit ist, heutzutage kann man sich da nicht mehr so sicher sein. Deshalb sei hier lieber einmal doppelt nachgefragt. Gibt es denn noch irgendwas, was einen heute nicht krank macht?
Liebe jedenfalls kann durchaus krankhaft sein. Sie kann aber auch heilen, wenn man den richtigen Menschen in sein Herz lässt. Mit „Herz auf“ gibt es eine düster, melancholische Ballade, die aber durchaus einen rockigen Unterton beibehält. Thematisiert wird absolute Hingabe, Ablehnung, Bindungsangst und das Versprechen von Glück.

Der „Krieger“ beginnt mit einer Sirene, die einen sofort auf ein Schlachtfeld versetzt und von den zuvor vorherrschenden Gefühlen nicht mehr viel erahnen lässt. Musikalisch und auch gesanglich kommt der Track sehr aggressiv daher, was zur Thematik des Songs einwandfrei passt. Der Refrain hingegen wirkt dann wieder eher poppig, doch der Text wiegelt dabei um so mehr auf. Ein Aufruf zur Revolution, zum Protest, für die Freiheit! War das alles erfolgreich, sind wir „Das Gesetz“, das mit eingängigen Riffs sich etwas sanfter in den Gehörgang bohrt. Gesellschaftskritik von Feinstem wird einem hier auf hohem musikalischem Niveau geboten. Der Rhythmus und der markante Text verleiten schnell zum mitwippen und mitsingen.
Mit „Wo geht der Teufel hin“ findet sich auf dem Album eine weitere Ballade, die durchgängig poppig klingt. Das ist aber genau das richtige Stilmittel, um Alex‘ Stimme in den Vordergrund zu rücken, denn der Gesang und der tiefgehende Text sollen für sich stehen, während die Musik die Zeilen nur umspielt. Ein hochemotionaler Song, der zum Träumen und Nachdenken anregt! Um so erstaunlicher, dass es mit „Wir sind Rock’n’Roll“ dann direkt wieder ein gesellschaftskritisches Statement gibt, das musikalisch elektronisch-rockig anmutet, während der Gesang eher gesprochen wird. Der Refrain hingegen reißt dann wieder mit und regt zum mitsingen an. Passend zum Titel trieft der Track nur so von sanftem, aber bestimmtem Rock’n’Roll.

Mit großen Schritten geht es auf das Ende des neuen Albums zu. Eine Einladung in den „D-Zug“ muss aber noch folgen. War man zuvor noch auf großer Fahrt durch den Sturm, befindet man sich jetzt im überfüllten und lauten Zug, der einen durch das Leben fährt. Gewohnt rockig geht es auch in diesem Song zu und in typischer Eisbrecher-Manier wird die moderne Gesellschaft aufgedeckt und geradezu enttarnt. Aber Fakt ist doch, dass es irgendwie nur geradeaus geht und man mit dem Strom schwimmen muss. Lebend kommt aus dem Leben doch ohnehin keiner raus.
Thematisch passend dazu folgt dann der eher ruhigere, wenn auch nicht weniger rockige Song, „Das Leben wartet nicht“. Die Botschaft ist klar: Man soll sich nicht verstecken und es bringt rein gar nichts, sich vor seiner Verantwortung, seinen Ängsten oder seiner Vergangenheit zu verstecken. Das Leben findet jetzt und hier statt und genau dies haben Eisbrecher in einen Song gepackt, der mal rockig und mal ruhig-balladesk durch die Boxen hallt. Ungewohnt ruhig endet damit auch das Album und lässt einen nachdenklichen Beigeschmack zurück.

Fazit: „Sturmfahrt“ muss sich hinter „Schock“ definitiv nicht verstecken. Musikalisch wirkt das Album an einigen Stellen durchaus ausgereifter und unglaublich überlegt, während andere Songs

mer geradeaus. Zurückblicken bringt nichts, sich weiterentwickeln ist die Devise. Man merkt dem Album an, dass sich die Band kontinuierlich nach vorne bewegt. Man möchte nicht sagen, die Band würde erwachsen werden, denn das sind sie schon seit einigen Jahren. Tatsächlich spürt man aber mehr als nur einen Funken Weisheit und so kann man bei einigen Texten nur zustimmend den Kopf nicken.

Insgesamt ist das Album eine bunte Mischung aus hartem Rock, den man immer noch der Neuen Deutschen Härte zuordnen kann, und poppigeren Elemente. Diese kommen gut und gekonnt zum Einsatz. Man darf gespannt sein, wie die Band ihre neuen Tracks auf der kommenden Tour präsentieren werden und wie sie sich neben den älteren Songs machen werden. An dieser Stelle sei auf jeden Fall gesagt: Daumen hoch für „Sturmfahrt“! einen typischen Eisbrecher-Faden weiterspannen. Eine gesunde Mischung aus jung und alt quasi. Man hört musikalisch genau das heraus, was textlich übermittelt wird. Es geht nach vorne, im