Ende September wurde es eiskalt im Ruhrgebiet. Eisbrecher eröffneten die Tour zu ihrem aktuellen Album „Sturmfahrt“ in der Fan-Hochburg Oberhausen. Mittlerweile wurde die Tournee bereits in Paris beendet, doch lohnt es sich, die vergangenen Wochen nochmal Revue passieren zu lassen. Am 29. September öffnete die Turbinenhalle 1 im Herzen des Ruhrpotts die Tore für Fans der Neuen Deutschen Härte. Eisbrecher können mit ihren letzten Produktionen auf eine steile Erfolgsserie zurückblicken, die sich wahrlich sehen lassen kann. Die aktuelle Scheibe schoss auf Platz 1 der deutschen Albumcharts und wollte nun auch live gebührend gefeiert werden.

Unzucht-3Der Andrang vor der Halle sprach Bände, wer dafür gesorgt hatte, dass sich das Album in die deutschen Charts geschlichen hat. Die zahlreichen Fans strömten pünktlich zum Einlass um 18.30 Uhr über den Parkplatz zur Tür der Halle. Um die Massen zu bewältigen, koordinierte die Security lautstark das Gedränge. Dadurch konnte die Schlange recht schnell vom Parkplatz auf die große Treppe gelotst werden, um wieder Platz für ankommende Autos zu machen. In der Halle angekommen, verteilte sich die Menge zum Bonstand, dem Merch und der Bühne. Dass man sich in der Turbinenhalle zuerst Bons kaufen muss, um dann an den diversen Bars erneut für ein Getränk anzustehen, ist jedes Mal wieder ärgerlich. Für die Halle selbst wird dies aber eine Entlastung darstellen. Bei der Menge an Fans, die sich ein Bier gönnen wollten, waren aber definitiv zu wenig Thekenkräfte im Einsatz. Verärgerte Gesichter sah man an den Theken daher nicht nur einmal.
Wer sich schließlich mit einem Getränk in der Hand einen Platz in der Halle erkämpft hatte, musste nicht mehr all zu lange auf den Beginn des Konzertes warten. Einlass, Merchandise, Getränke. Dafür waren bei einem solchen Andrang eineinhalb Stunden beinahe zu wenig. Trotzdem war die erweiterte Halle schlussendlich um 20.00 Uhr bis hinten gut gefüllt und die Unzucht konnte vor einem riesigen Publikum die Sturmfahrt-Tour eröffnen. Bereits nach wenigen Songs tropfte der Schweiß von der Decke und auch der Band sah man eine Anstrengung sichtlich an. Dennoch ließ es sich Sänger Daniel Schulz nicht nehmen, seine Fans immer wieder anzuheizen und mit den allbekannten Sprüchen wie „Macht mal Krach!“ zu Höchstleistungen zu animieren. Souverän bestritt die Unzucht ihre Spielzeit mit einem Set, das sehr ihrem aktuellen Live-Album „Widerstand“ ähnelte. Songs wie „Lava“, „Deine Zeit läuft ab“ oder „Unzucht“ durften ebenso wie der Dauerbrenner „Engel der Vernichtung“ nicht fehlen. Schade, dass der Auftritt nach nur 9 Songs bereits wieder zu Ende war. Fans der Band können sich aber freuen, denn die Musiker aus Hamburg kommen im November bereits wieder ins Ruhrgebiet zurück. Ihre eigene kleine Headliner-Tour führt sie beispielsweise nach Essen ins Turock.

In Oberhausen ging es derweil mit einer Umbaupause weiter, die viele wohl als Verschnaufpause nutzen wollten. Mittlerweile war es so stickig in der Halle, dass man sogar den Raucherbereich draußen trotz der Zigaretten auch als Nichtraucher als angenehm empfand. Da graute es einem beinahe davor, zu Eisbrecher wieder in die Halle zurückzukehren. Wer aber ausgeharrt hatte oder sich zurück traute, wurde um kurz nach 21.00 Uhr vom Eisbrecher geradezu überrollt. Mit dem Titeltrack des neuen Albums wurde das Konzert eröffnet und in der Halle gab es kein Halten mehr. War die Stimmung vorher schon ausgelassen gewesen, so kochte sie jetzt buchstäblich über. Der Hexenkessel Oberhausen explodierte in der ausverkauften Turbinenhalle oder bescherte den Musikern einen wahrlich würdigen Tourauftakt.Eisbrecher-2
Sänger Alex Wesselsky bedankte sich bei all den verrückten Fans und verkündete gleich, dass man bereits plane, der Turbinenhalle Oberhausen noch in diesem Jahr einen weiteren Besuch abzustatten. Ihren Jahresabschluss feiert die Band nämlich an eben jenem Ort am 16. Dezember gemeinsam mit Clawfinger aus dem hohen Norden. Diese Info nahmen die Fans begeistert auf und hätten wohl noch ausgelassener gefeiert, wenn dies möglich gewesen wäre.

Neue Tracks wie „Automat“ oder das Ideal-Cover „Eisbär“ wurden ebenso frenetisch bejubelt wie die Klassiker „Amok“ und „This is Deutsch“. Zum eisigen Track „Eiszeit“ gab es in diesem Jahr zusätzlich auch noch eine Menge Kunstschnee, der die Halle leider trotzdem nicht abkühlen konnte. Der Blick vom Balkon ließ einen hoffen, dass die Leute unten in der Menge mit genügend Getränken ausgestattet waren. Oben schien das jedenfalls der Fall zu sein, auch wenn einige Kinder in Begleitung ihrer Eltern am Ende des Konzertes kaum noch gerade stehen konnten. Dies wird aber auch an der Aufregung und dem insgesamt sehr langen Abend gelegen haben.
Eisbrecher beendeten ihre Show nach etwa zwei Stunden mit einer Zugabe, die sich sehen lassen konnte. Wurde der Halle mit „Verrückt“ zunächst noch der Spiegel vorgehalten, schwelgte man mit „Miststück“ in Erinnerungen an längst vergangene Band-Zeiten. Mit „In einem Boot“ verabschiedete man sich von Oberhausen dann aber doch eher mit einem nachdenklichen Blick.

Insgesamt war der Tourauftakt der Sturmfahrt durchaus gelungen. Die Setliste von Eisbrecher konnte sich sehen lassen und hat weder die beliebten Klassiker noch die neuen Tracks vernachlässigt. Zwar hätte es wohl den ein oder anderen Song noch zusätzlich geben können, hätte dies aber den Rahmen bei Weitem gesprengt. Die Unzucht als Support zeigte sich wie immer souverän, doch wurde man den Eindruck nicht los, dass die Band unter dem ständigen touren und auftreten nun doch zu Erschöpfung neigt. Vielleicht ist es nach der Tour im November mal an der Zeit, sich ein paar Monate Auszeit zu gönnen.
Manko des ganzen Abends war schlicht und ergreifend die Halle, die schon nach kurzer Zeit zum Ofen wurde, in dem der Schweiß geradezu in der Luft stand. Beim nächsten Mal funktioniert hoffentlich die Lüftung wieder einigermaßen, sodass man wenigstens noch normal atmen kann. Dann sollte auch das JAK im Dezember so atemberaubend werden wie dieser Abend Ende September.