Dirk Bernemann – Wie schön alles begann und wie traurig alles endet – Buch-Rezension

DownloadEin Mann erzählt von seinem Leben. Etwas chaotisch. Wild durcheinander. Er beginnt in seinem hier und jetzt, schweift aus in seine Kindheit, seine Jugend und in die nahe Vergangenheit. Er endet wieder im Jetzt, wenn sich alle Bausteine zusammengesetzt haben. Was das Ganze besonders macht? Das Ich sieht die Welt am Ende, erwartet einen Krieg, harrt der Katastrophen, die da kommen mögen und sucht doch irgendwo zwischen den Trümmern nach Liebe. Ein getötetes Kaninchen in Jugendtagen verfolgt ihn ebenso wie das Mädchen, das an seiner Seite leblos im Schwimmbecken gelandet ist. Alkohol in früher Jugend, Alkohol im Erwachsenenalter und doch lässt sich nichts beschönigen. Er spottet über Menschen mit ihren seltsamen Gewohnheiten, ihren Marotten und ihren Geschmäckern. Seine Nachbarin ist kaputt, hört Xavier Naidoo, um nicht in ihrer Kaputtheit zu verschwinden und seine Jugendliebe lebt noch immer in ihrer heilen Welt, in diesem kleinen Dorf, aus dem er geflohen war. Und er? Er lebt in der Großstadt, alles ist groß und laut, er hat seine Vergangenheit hinter sich lassen wollen, muss sich aber eingestehen, dass dies nicht möglich ist. Er hasst dieses schnelle Treiben der Großstadt, aber genauso hasst er irgendwie dieses kleine verschlafene Dorf. Denn eigentlich ist doch alles Dreck, oder? Ja ist es, bis nach einigen negativen Erfahrungen diese eine Frau kommt, die ihn völlig aus den Socken haut. Mit ihr ist diese zerstörte Welt gar nicht mehr so schlimm, bis aus Glück wieder Schmerz wird jedenfalls. Dies erwartet er nämlich stets.

Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ ist ein wundervolles Werk von Dirk Bernemann. Auf 192 Seiten presst er ein Leben, das es so vielleicht gegeben hat, vielleicht auch nicht. Er hinterlässt damit den bitteren Beigeschmack des Glücks, das so zerbrechlich ist, zeigt einem die Fratze der Moderne und hält einem sogar selbst den Spiegel vor. Der Titel des Buches rahmt die Handlung als Kapitelbezeichnung ein, aber am Ende bleibt die Frage, ob die Geschichte nicht eigentlich traurig begann und schön endet. Natürlich stets mit einer Brüchigkeit, die jeder aus seinem Leben kennen wird. Schon in anderen Werken spricht Bernemann Gedanken aus, die sich die meisten Menschen niemals zu denken trauen würden. Sprachlich könnte man seinen Stil glatt als unsachlich bezeichnen, aber das macht ihn auch gerade wieder aus. Er beschönigt nicht, er sagt wie es ist und nutzt auch gerne einmal derbe Worte dafür. Besonders fällt auf, wie er mit den Worten spielen kann. Er schafft Metaphern und lebendige Bilder aus Sätzen, wo eigentlich nichts sein dürfte, außer vielleicht ein tiefer Abgrund der Bedeutungslosigkeit oder eine Kiste, die niemand zu öffnen wagt. Ich persönlich habe großen Respekt vor diesem Mann, der mit seinen Büchern alles verändern kann, wenn man sich darauf einlässt. Bisher haben all seine Werke etwas in meinem Hirn hinterlassen, was sich in bestimmten Situationen einfach mal wieder meldet und mir sagt: „Guck, der Bernemann hatte Recht“. Im Bezug auf das nun vorliegende Buch, das am 14. Februar über den Unsichtbar-Verlag erschien, blieb mir beim Beenden der letzten Seite nur ein Gedanke: WOW! Und etwas anderes lässt sich als Fazit auch gar nicht formulieren. „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ nimmt mit, zeigt die Wahrheit, bringt zum Lachen, bringt zum Nachdenken. Und das alles auf so wenigen Seiten, ohne philosophisch zu wirken. Daumen hoch für dieses unfassbar tolle Stück Literatur!

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