Devin Townsend, ein wahrer Virtuose an der Gitarre und mit einer Stimmgewalt gesegnet, die viele Sänger dieser Welt vor Neid erblassen lässt. Nachdem er verschiedene Bands unterstützt und produziert hat, konzentriert er sich nun seit einigen Jahren seinem Devin Townsend Project. Mit insgesamt 18 Solo-Alben, von denen allein sieben in diesem Projekt entstanden sind, hält er eine Vielfalt an Songmaterial bereit. Fans in aller Welt sind von dem Kanadier restlos begeistert. Nachdem 2016 das Album „Transcendence“ erschienen war, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Townsend sich wieder in Europa blicken lassen sollte. Nun ist er also zunächst in Europa und dann im Anschluss in Südamerika unterwegs. Vergangene Woche, am 08.03., machte das Devin Townsend Project in Dortmund im FZW Halt und hatte gleich zwei Vorbands mit im Gepäck.

Between-the-Buried-and-Me-3Das FZW machte pünktlich um 19.00 Uhr die Türen auf, um die ersten Fans bereits einzulassen. Zwischenzeitlich flaute der Andrang am Einlass ein wenig hab, aber kurz vor 20.00 Uhr, also auf die aller letzte Minute drängten doch wieder einige Menschen in die Halle. Mit einigen Minuten Verzögerung begann dann die erste Band Leprous mit ihrem ersten Song. Die Gruppe aus Norwegen, begann ihr Set beinahe komplett im Dunkeln. Lediglich ein paar rote Strahler ließen Schatten auf der Bühne erahnen. Es war so dunkel, dass wohl auch die Band ihr Publikum kaum sehen konnte. Dies wirkte irgendwie befremdlich, zumal das Publikum dann auch manches Mal durch Strobolicht geblendet wurde. Musikalisch konnte die Progressive-Band mit ihren insgesamt sechs Songs leider auch kaum überzeugen. Es gab höflichen Applaus und nur wenige der Anwesenden feierten die Musiker begeistert. Aber wer an der Gitarre mit der Grippe steht, kann durchaus auch mal Applaus verdienen. Dafür jedenfalls: Respekt.

Nach einer kurzen Umbaupause begannen dann Between the Buried and Me in besserem Licht ihr Set. Auch diese Gruppe hatte nur sechs Songs vorbereitet, allerdings waren einige davon so lang und durcheinander, dass man gar nicht so recht wusste, wann ein Track begann und wann einer endete. Das Set war jedenfalls deshalb um einiges länger als das von Leprous. Musikalisch konnten die Amerikaner aber weit mehr überzeugen, als die Band zuvor. Sänger Tommy lockerte den gesamten Auftritt mit flotten Sprüchen in längeren Interludien ordentlich auf und erntete vom Publikum dafür ehrliche Lacher. „This song is so sick“ meinte er einmal, meinte damit aber nur die Länge und die Auf- und Abs des Liedes, die teilweise so klangen, als gehörten sie gar nicht zusammen. Etwas verhalten forderte man dann eine Zugabe, die Between the Buried and Me aus Zeitgründen aber nicht liefern konnte.

Vielmehr wurde dann für das Devin Townsend Project umgebaut, denn hier gab es ein weitaus größeres Drumset, das unter einigen Abdeckungen hervorgezaubert wurde. Eigene Strahler und Lampen ergänzten das Setting, in das Townsend und
seine Band dann beinahe pünktlich traten. Das Set begann mit „Rejoice“, das sofort bewirkte, dass im Publikum kräftig mitgesungen wurde. Bei „Stormbending“ rutschte dem humorvollen Kanadier in einer Atempause ein Rülpser heraus. Nach einem kurzen „Sorry“ sang er aber weiter, als wäre nichts gewesen. Wer Townsend kennt weiß, dass erDevin Townsend Project-4 für jeden Spaß zu haben ist, aber ein Rülpser in so einem tollen Song? Hätte nicht sein müssen, war aber dennoch lustig. Die Stimmung im Publikum wurde dadurch jedenfalls aufgelockert, sodass zumindest der Refrain aus allen Ecken der Halle mitgesungen wurde.
Dem charismatischen Mann an der Gitarre, die er mit seinen Fingern in einer unglaublichen Geschwindigkeit bearbeitete, war auch im Folgenden zu Späßen aufgelegt. So trank er aus einer Plastikflasche Wasser (vom Dicsounter) als sei es
erlesener Wein und er befinde sich nicht im Konzert sondern bei einer Weinprobe. Dafür, dass er sich gerade auf der „Transcendence“-Tour befindet, fand man erstaunlich wenig Songs von diesem Album in seinem Set, aber auch die älteren Songs wie „Ziltoid goes Home“ kamen beim Dortmunder Publikum gut an. Die lustigste Ansage gab es dann zum Song „Supercrush“, die definitiv nicht jugendfrei war. Für die Anwesenden war es aber eine wahrlich perfekte Ansage für diesen Track und spiegelte all das wieder, was man so mit Townsend verbindet: Humor, Charisma, Offenheit und kein Blatt wird vor den Mund genommen. Auch die Ansage, dass es natürlich eine Zugabe geben wird, aber alle bitte überrascht sein sollen, sorgte für ordentliche Lacher.
Die Zugabe bestand dann aus der Ballade „Ih-Ah!“ und aus dem Transcendence-Song „Higher“, das die Stimmung wirklich noch ein bisschen höher steigen ließ.

Leider war das Konzert viel zu schnell wieder vorbei und das Set war mit 14 Songs wirklich kurz, aber die Fans konnten jeden Moment genießen. Townsend interagiert immer mit seinem Publikum und redet manchmal Stuss daher, um das Band zwischen Bühne und Publikumsraum enger zu verknüpfen, doch sobald er seine Akkorde spielt und seine Texte singt, ist er vollkommen bei der Sache. Meistens jedenfalls. Und wenn nicht, hat er immer einen flotten Spruch auf Lager oder singt, dass ihm der Text gerade entfallen ist. Bei Townsend wird es auf jeden Fall nie langweilig und es gibt ordentlichen Prog-Metal auf die Ohren. Manches Mal gibt es aber auch was zu lachen oder zum träumen. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nicht wieder zwei Jahre zeit nimmt, um ins Ruhrgebiet zurückzukommen.