A Life Divided-2In strahlendem Sonnenschein lag der Tanzbrunnen in Köln da, als Moderator Mark Benecke die Bühne betrat und die bereits zahlreich anwesenden ’schwarzen Leute‘ begrüßte. Die erste Band auf der Mainstage versprach ordentlichen Rock. ‚A life divided‘ legte los und Sänger Jürgen Plangger bewies, dass er nicht nur an die Gitarre bei Eisbrecher gehört, sondern auch stimmlich einiges kann. Das Mikro war nur irgendwie falsch eingestellt, denn je nachdem wo man vor der Bühne stand, wirkte der Gesang übersteuert. Schade dennoch, dass sie nur eine so kurze Spielzeit hatten! Hier geht es zu den Fotos.

Mit einem Publikumskracher ging es weiter, denn als zweite Band spielten sich ‚Stahlmann‘ in die Herzen der Festival-Besucher. Erstaunlicherweise war es zu dieser Zeit schon sehr voll vor der Bühne, was nicht nur an dem tollen Wetter lag, sondern auch an dem hochkarätigen Line-up. Die Silbernen begeisterten mit ihren Songs ‚Schwarz‘ und ‚Stahlwittchen‘, wie man es von ihnen kennt und es ist klar, dass sie definitiv mehr können, als zweite Band eines großen Festivals zu sein. Hier geht es zu den Fotos.

Die Verteilung der Musik-Genres war eigentlich eindeutig, denn im Großen und Ganzen gab es EBM im Staatenhaus und rockige Sounds auf der Mainstage. Wer bei den heißen Temperaturen aber nicht ständig hin und her laufen wollte, der kam auch bei der Open Air Bühne auf seine Kosten, da es dort im Anschluss an ‚Stahlmann‘ mit ‚Solitary Experiments‘ weiter ging. Als vier Frauen die Bühne betraten, aber der Gesang eines Mannes aus dem Off kam, sah man bei denen, die die Band nicht kannten, Verwunderung und auch Belustigung. Nach einem Song kamen dann die richtigen Bandmitglieder auf die Stage und man fragte sich, was diese Aktion denn sollte, denn eigentlich jeder hatte den Damen ansehen können, dass sie beispielsweise noch nie am Schlagzeug gestanden hatten, was das Ganze eher lächerlich machte. Im Anschluss erfreuten die Jungs ihre Fans mit elektronischen Sounds dann aber doch richtig. Hier geht es zu den Fotos.

Kontrast dazu gab es mit der Sensation des Festivals. Alex Wesselsky (Eisbrecher) hatte sich zu seinem 44. Geburtstag gewünscht, Wesselsky-2noch einmal alte Songs live spielen zuüund dieser Wunsch ging auf dem diesjährigen Amphi Festival in Erfüllung. Mit seinen ‚Brüdern‘ präsentierte er sich edel in Hemd und Fliege. Die Performance von alten Songs von ‚Megaherz‘ kam bei vielen wahnsinnig gut an und eine zweite Show der ‚Wesselskys‘ wäre wünschenswert. Alex und seine Jungs präsentierten sich besonders authentisch, vor allem, weil Alex zugab einige Texte nicht zu können. Dem wurde Abhilfe geschaffen durch seinen Assistenten Dodo, der ihm tapfer bei dem ein oder anderen Titel als Notenständer fungierte. Auch das Duett mit Timur von Schöngeist, bei dem dann beide den Text in der Hand hielten, zeigte, dass auch Musiker nur Menschen sind und genau so eine Authentizität in der Kombination mit gutem, rockigem Sound möchte man gerne öfter auf einem solchen Festival sehen. Hier geht es zu den Fotos.

Mittelalterlich, aber genau so authentisch und rockig wurde es auf der Mainstage im Anschluss mit ‚Tanzwut‘. Die Technik versagte beim ersten Song zwar völlig und nach dem achten Tausch des Mikros wurde der Gesang des Teufels dann auch endlich von allen gehört. Das Publikum drängte immer weiter nach vorne und wenn man sich aus den vorderen Reihen durchkämpfen wollte, um an einen Getränkestand zu gelangen, wurde man das ein oder andere Mal böse angeschaut. Aber bei dem Wetter die ganze Zeit mitten in der Menge zu stehen, ohne etwas zu trinken ist einfach gefährlich, da nimmt man die Verärgerung einiger weniger Fremder doch mal in Kauf. Schade, dass das nicht jeder so sieht. Dies ändert aber nichts daran, dass ‚Tanzwut‘ nach ihrem technischen Debakel eine Wahnsinns-Show ablieferte und die Mikros zum Glück nicht wieder ausfielen. Hier geht es zu den Fotos.

Elektronisch und ohne Ausfall der Technik ging es auf der Mainstage dann mit einer fragwürdigen Show von ‚Agonoize‘ weiter, während auch das Staatenhaus und der große angrenzende Markt aus allen Nähten zu platzen schien. In der Strandbar gab es keinen einzigen Platz mehr zum Sitzen und wenn man Pech hatte, musste man gefühlte Ewigkeiten an einem der Stände auf etwas zu Essen warten. Problematisch war die Situation in der Strandbar aber auch, weil diese auch für ’normale‘ Leute geöffnet war, sodass die Security auch noch darauf aufpassen musste, dass nur Festival Besucher wieder auf das Gelände gingen.

Tanzwut-2Fotos von ‚Agonoize‘ gibt es nicht, weil die Show für diese Uhrzeit nicht ok war. Eine sich selbst piercende Dame auf der Bühne hat im Nachmittagsprogramm, bei dem auch Kinder noch vor der Bühne stehen, nichts zu suchen. Lustig war die Show mit spritzendem Kunstblut sicherlich für die, die die Band nicht kannten und im Publikum eine volle Ladung davon abbekommen haben, zumindest, wenn man selbst nicht direkt beteiligt war.

Ruhiger wurde es mit der Independent-Band ‚Phillip Boa and the Voodoo-Club‘, die alte und neue Fans mit ihren Songs vor die Mainstage lockten. Hier geht es zu den Fotos.

Mittlerweile war es auch so voll, dass sich nicht alle Besucher unter die Schirme des Tanzbrunnens quetschen konnten, was sie aber immer noch versuchten. Demnach war es in der Menge fast genauso warm und stickig wie im Staatenhaus, in dem es inzwischen auch nicht mehr angenehm war. Trotzdem leerte es sich vor keiner der beiden Bühnen und es gab einige, die ihren Platz vehement verteidigten.

Auf dem Markt hingegen gab es mehr Luft zum atmen, zumindest, wenn man keine enge Korsage trug. Einige Besucher präsentierten sich in unglaublichen Kleidern, die draußen im Park vor dem Festival Gelände auch einige ’normale‘ Leute begeisterten. Im Park traf man auch Menschen, die die Musik in der Ferne genossen und das Wetter zum grillen nutzten.

Bei der letzten Band des Tages auf der Mainstage ‚VNV Nation‘ war es plötzlich so voll, dass man nicht einmal mehr ungehindert an der Menge vorbei gehen konnte, denn es gab kaum noch einen Weg von der Trinkwasserstelle zum Markt oder zu den Toiletten. Zum Abschluss wurde der Meute mit feinstem Elekto-Pop nocheinmal das letzte abverlangt und es wurde getanzt, bis zum Umfallen. Hier geht es zu den Fotos.

Währenddessen wurde die Bestuhlung im Theater abgebaut, in dem tagsüber unter anderem eine Lesung von Mark Benecke stattgefunden hatte, denn nachdem auch das Staatenhaus um 00:45 Uhr die Tore schloß, ging die Party mit verschiedenen DJs im Theater bis ca. 4 Uhr nachts weiter.