Apoptygma Berzerk – Exit Popularity Contest – CD-Rezension

Apoptygma Berzerk kommt aus Norwegen und experimentiert mit verschiedenen Musikrichtungen. Insgesamt lassen sie sich daher auch nicht so recht in ein Genre einordnen, aber eine Mischung aus Synth Rock und Future Pop beschreibt ihren Stil schon ganz gut. Seit ihrem letzten Album von 2010 war es recht still um die Band geworden, doch immer mal wieder wurden Singles oder EPs auf den Markt geworfen. Nun haben sie am 07.10. eine neue Scheibe herausgebracht, mit denen sie das Steuer in Richtung Future Pop ganz deutlich herumreißen. Das Werk trägt den Titel Exit Popularity Contest und beinhaltet 10 Tracks, die teilweise an die 10 Minuten lang sind. Diese CD fasst die letzten drei Vinyl-Singles „Stop feeding the beast“, „Videodrome“ und „Xenogenesis“ nochmal auf einer Scheibe zusammen.

Apoptygma Berzerk live at Amphi Festival 2014.
Apoptygma Berzerk at Amphi Festival 2014

Das Album beginnt mit dem über 9 Minuten langen „The Genesis 6 experiment“, das zu Beginn erscheint wie das Theme eines futuristischen Films aus den 80er Jahren. Dieses Gefühl lässt den Hörer auch während der gesamten Spielzeit nicht los, doch das rein instrumentale Stück hat seine Höhen und Tiefen, sodass sie Spannung aufbaut und wieder abflaut. Der zweite Track „Hegelian dialectic“ besticht dann durch seine angenehme Kürze, in der einem klingelnde Telefone und alte Modems, die durchs Weltall rasen, um die Ohren gehauen wird. Die Enterprise meldet eine Fehlermeldung und piepst sich tief in den Gehörgang. Mit „For now we see through a glass, darkly“ befindet man sich dann plötzlich vor einem alten Fernseher oder in einem Funkgerät, dessen abgehackte Worte nicht zu verstehen sind. Nach diesem rauschenden Intro lockt der Song jedoch mit tanzbaren futuristischen Klängen, zu denen man sich sanft in der Welle der Musik wiegen kann. Nach achteinhalb Minuten hat man dann auch trotzdem nicht das Gefühl, das Stück wäre langweilig geworden.

Das folgende „Stille når gruppe“ weist dann wieder einiges an Weltraumgepiepse auf, das dieses Mal aber nicht so eindringlich und hartnäckig bleibt. Dafür gibt es Signale, als würde jemand nach Leben im All suchen. Mit „In a world of locked rooms“ geht es dann zurück in die Klangwelten der 80er Jahre. Das Stück könnte auch zum Soundtrack der neuen Serie „Stranger Things“ gehören und besticht daher mit in der Musikwelt beinahe vergessenen elektronischen Features. Das sechste Stück „The cosmic chess match“ reiht sich dort lückenlos ein und nimmt noch ein kleines bisschen mehr Spannung mit. Das zwischenzeitliche ‚Teekessel-Pfeifen‘ erscheint im ersten Moment etwas unpassend, aber im Laufe der siebeneinhalb Minuten Spielzeit gewöhnt man sich daran.

Den Song „U. T. E. O. T. W.“ gibt es auf diesem Album gleich zwei Mal. Einmal in der instrumentalen Version und einmal in der Extended Version. Ersteres passt sich in die Abfolge der rein instrumentalen Tracks ebenso futuristisch ein, wie seine Vorgänger. Die Extended Version, die als letzter Titel auf der CD zu finden ist, fällt dann allerdings mit Gesang total aus dem Rahmen. Die leicht orientalisch angehauchten elektronischen Elemente unterstreichen den Gesang dabei aber sehr gut. Der achte Song „The devil pays in counterfeit money“ ist hingegen erneut ein zunächst dissonantes Stück, dass an einen Horrorfilm aus grauer Vorzeit erinnert. Nach dem Intro ist von dem Horror aber nicht mehr viel zu spüren, die Spannung baut sich eher so auf, als würde gleich ein Raumschiff landen und Außerirdische die Welt übernehmen. Der Track „Rhein Klang“ erklingt schließlich wieder wie eine Fahrt im Weltraum aus den 80er Jahren. Die typischen Drums und Elektro-Klänge dürfen dabei natürlich ebenso wenig fehlen wie die helleren Töne, die sich auch in jedem futuristischen Film finden lassen.

Fazit: Insgesamt hat das Album etwas überrascht, allerdings natürlich nur, wenn man die vorherigen Singles nicht kannte. Für alle Fans ist diese Zusammenfassung also entweder von Vorteil, weil man nun alle Tracks nacheinander auf einem Album hören kann oder es ist eine Enttäuschung, weil man alles schon kennt.
Alles in allem war „Exit Popularity Contest“ auch nicht so Recht das, was ich erwartet hatte. Mir hat an einigen Stellen einfach Gesang oder ein paar Rockelemente gefehlt, wobei die Extended Version von „U. T. E. O. T. W.“ das Blatt dann endlich gewendet hat. Das Album ist vielleicht nicht in Gänze Live-tauglich, aber doch könnten einzelne Tracks ein Apop-Set durchaus auflockern. Für zu Hause ist mir die Platte zu eintönig, da ich mich immer wieder in die 80er Jahre zurückversetzt fühle. Einen Song in dem Stil miteinzubauen, wäre mir schon genug gewesen, aber das ist bekanntlich Geschmackssache.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.