Alestorm, eine schottische Pirate-Metal-Band, die unter diesem Namen seit 2007 in den musikalischen Gewässern dieser Welt unterwegs ist, hat sich zu ihrem 10-jährigen Jubiläum mit einem neuen Album zurückgemeldet. Für No Grave But The Sea haben sich die Schotten, die nach eigener Aussage den einzig wahren, schottischen Piraten-Metal spielen, drei Jahre lang Zeit gelassen. In der Zwischenzeit mussten sich die Fans mit älteren Songs und einem Musikvideo begnügen. Im Zuge des neuen Albums, das am 26. Mai via Napalm Records erschienen ist, veröffentlichte die Band mittlerweile drei neue Videos. Es scheint ganz so, als wollten Alestorm beweisen, dass sie noch nicht untergegangen sind und nur auf das zehnjährige Bestehen der Band gewartet haben, um auf ihre Bandgeschichte ein Sahnehäubchen zu legen.

Die neue Piraten-Platte beginnt daher auch gleich mit dem Titeltrack, der im Intro wie ein Siegeszug klingt. Mit einer Mischung aus harten Gitarrenriffs in den Strophen und musikalisch vielfältigeren Interludien mit Trompeten und Fanfaren erscheint der Song „No Grave But The Sea“ wie eine Rückkehr von den Toten. Alestorm sind nicht klein zu kriegen und wenn die Toten gen Heimat segeln, dann stehen die Piraten geschlossen zusammen und kämpfen, bis die See sie am Ende verschluckt. Beim zweiten Song „Mexico“ versetzt einen das Intro zunächst einmal in die 80er Jahre zurück, denn die Melodie, die gleich im Ohr hängen bleibt, kommt als Videospiel-Musik daher. Nicht ganz so metallastig erscheint der Track insgesamt, weil zwischendurch die Melodie des Intros durch eine Geige wieder auftaucht. Klare und harte Gitarrenriffs harmonieren hier mit den schnellen Drums und dem eingängigen Gesang, der zu einer Reise nach Mexiko einlädt.

Fanfarenähnliche Sounds begrüßen den Hörer dann bei „To the End of the World“ wieder, die dann schnell von Akkordeon und Gitarren abgelöst werden. Der Track wirkt schneller und härter und der gegrowlte Part im Refrain tut sein Übriges, um diesen Song aggressiver erscheinen zu lassen. Da der Song weniger melodisch klingt, wirkt er wie eine Einladung, in den Krieg zu ziehen. Zumindest soll gegen den Sturm angefahren werden, um das Ende der Welt zu finden. Alestorm laden also auf eine gefährliche Kaperfahrt ein, von der es eventuell kein Zurück mehr gibt. Das Lied „Alestorm“ hingegen wird wieder ein wenig melodischer. Rasante Geigen und das Akkordeon im Zusammenspiel mit schnellen Riffs und dem teils gegrowlten Gesang bieten eine angenehme, aber rockige Atmosphäre. Wieder gibt es den Aufruf, in See zu stechen, aber was wäre ein richtiger Pirat ohne eine Buddel Rum oder ein Fass Bier? Die Band hat dafür jedenfalls schon vorgesorgt.

 

In die nächste Bar geht es daher auch mit „Bar und Imbiss“, das mit akustischer Gitarre zu Beginn und Akkordeon eine Schankhaus-Atmosphäre erzeugt. Der Refrain bleibt daher auch ruhig, sodass man sich gedanklich schnell Bierglas schwenkend in einer Piratenbar befindet. Der Song „Fucked with an Anchor“ wirkt dagegen musikalisch zunächst geradezu balladesk. Ein harter Kontrast zu Titel und Thema das Songs. Mit „Pegleg Potion“ wird es dagegen wieder rasant. Schnelle Drums, kombiniert mit Sounds von Akkordeon und vermutlich der Keytar und dem rauchigen Gesang von Christopher Bows, bieten hier einen tanzbaren Song, der sowohl rockig als auch melodisch daher kommt. Die perfekte Mischung aus Pirate-Folk und Metal, die nicht nur zum feiern einlädt. Schwingt euer Holzbein und tanzt, bis es abfällt!

Einen weiteren Track, der wie der Zug in eine Schlacht anmutet, gibt es mit „Man the Pumps“. Zwar wird es musikalisch hier in den Refrains etwas ruhiger, sodass der Gesang den Track hauptsächlich trägt und auch die Interludien der Gitarren sind sanfter, doch mutet das Lied insgesamt ähnlich an wie der Titeltrack. Hier schließt sich dadurch allerdings ein thematischer Kreis. Wurde man zu Beginn noch aufgefordert, sich nicht unterkriegen zu lassen, fährt man nun auf direktem Weg in die Hölle. Piraten lachen der Gefahr ins Gesicht!
„Rage of the Pentahook“ beginnt mit schnellem und melodischem Akkordeon, das von noch schnelleren Gitarrenriffs begleitet wird. In den Strophen wird das Melodiöse durch harte Gitarrenanschläge, rasende Drums und rauem Gesang etwas in den Hintergrund gedrängt. Im Refrain und dem anschließendem Interludium findet die rockige Melodie dann aber wieder Platz und wird nur zwischenzeitlich durch harte Growls unterbrochen. Ein Song, der wahrlich zum mitrocken einlädt, bevor die gesamte Alestorm-Flotte mit „Treasure Island“ den Sieg ihres Beutezuges feiert. Musikalisch wird es hier noch einmal richtig verworren und die Keytar bietet so rasante Töne, dass man zunächst gar nicht weiß, wohin man zuerst hören soll. Der mehrstimmige Refrain bereitet einem zudem das Gefühl, Teil der Crew zu sein, die den großen Schatz entdeckt hat. Die Weltmeere zu besegeln, wird schließlich belohnt, wenn man die Durchfahrt der Hölle überlebt hat.

Fazit: Insgesamt ist das neue Album der schottischen Piraten ein durchdachtes Konzeptalbum, das sich nahtlos an ihren Vorgänger von 2014 anschließt. Musikalisch erscheint Alestorm reifer als zuvor, auch wenn sich all ihre Texte wieder um Piraten, Seefahrt und Alkohol drehen. Teilweise wirken die Songs weniger aggressiv, ohne dabei aber brav zu wirken. Die Schotten haben ihren Charme nicht verloren und die drei Jahre Arbeit an dem Album haben sich definitiv gelohnt. Wer auf Metal mit piratigen Einflüssen steht, sollte in „No Grave but the Sea“ unbedingt mal reinhören.

Interesse geweckt? Dann könnt ihr das Album bei Amazon (-> hier) bestellen und dort vorher auch mal in die Tracks reinhören.